OpenSource Notizdienste im Vergleich zu Evernote

geschrieben am 28.11.2016
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Können Open Source Notiz-Lösungen eine Alternative zu Evernote sein?

Können Open Source Notiz-Lösungen eine Alternative zu Evernote sein?

Der ionas-Server bietet eine Vielzahl an OpenSource Lösungen für Unternehmen und kleine Arbeitsgruppen. Obwohl der ionas-Server fast keine Wünsche in Bezug auf den Funktionsumfang offen lässt, werden wir immer wieder nach einem Notizendienst wie beispielsweise Evernote gefragt.

Im Zentrum der Forderung steht der Wunsch, jederzeit und von überall Ideen, Notizen und Aufgaben speichern und verwalten zu können.

Grund genug also für uns, die aktuellen OpenSource Notizdienste unter die Lupe zu nehmen und auf ihre Businesstauglichkeit bzw. ihre Einsatzmöglichkeit auf dem ionas-Server zu testen.

Unsere zentrale Anforderungen an die Notizdienste bzw. Notiz-Lösungen sind dabei:

  1. OpenSource Lizenz
  2. Self-hosting
  3. Plattformübergreifende Nutzung (d.h. Mobil und Desktop)
  4. Offline-Support und
  5. Multiuser-Support

Das Testfeld umfasst in Summe sechs Kandidaten, die wir gegen die eben genanten Kriterien prüfen werden. Unter den Kandidaten befinden sich bekannte Dienste wie z.B. Laverna und TagSpaces, aber auch unbekannte Dienste wie z.B. Gruik. Unsere Ergebnisse finden Sie im folgenden dargestellt. Sollten Ihre Kriterien anders sein als die Unsrigen, dann können Sie hoffentlich anhand der Beschreibungen und Kommentare zusammen mit den Screenshots einfach herausfinden können, ob einer der vorgestellten Dienste für Sie ein wirklich private Evernote Ersatz ist.

Die Bewertungskriterien im Detail

1. OpenSource Lizenz

Da praktisch die gesamte Software des ionas-Servers auf einer OpenSource Lizenz basiert, ist es nur logisch, dass wir auch bei einem möglichen Notizdienst darauf bedacht sind, dass auch diese Lösung unter einer OpenSource Lizenz veröffentlicht ist. Für Sie als Anwender ergeben sich daraus die Vorteile der kostenlosen Nutzung und der höheren Sicherheit, dass im Quellcode keine Überraschungen lauern.

2. Self-hosting

OpenSource ist zwangsläuft mit dem Aspekt des „Self-Hostings“ verbunden. Den was bringt ein OpenSource Dienst, der von einem fremden Unternehmen in einem fremden Rechenzentrum betrieben wird? Auch vor dem Hintergrund eines Einsatzes auf dem ionas-Server kommen nur solche Dienste in Frage, die man einfach und bequem auf einem Linux-Serversystem installieren kann.

3. Plattformübergreifende Nutzung

ionas – Ihr Online Assistent ist ein gutes Beispiel, warum wir so großen Wert auf plattformübergreifende Nutzung legen. Jedes der drei großen Betriebssysteme (Windows, Mac und Linux) ist bei einem unserer Mitarbeiter im Einsatz und sogar bei den Handyplattformen können wir mit iOS, Android und Windows Phone auf eine große Vielfalt verweisen. Für uns ist eine Collaboration-Software nur dann wirklich vollständig, wenn alle diese Plattformen unterstützt werden.

4. Offline-Support

Obwohl man heutzutage fast immer online ist, gibt es immer wieder Momente, in denen man sich nicht auf WLAN, UMTS oder 3G verlassen kann. Wer saß nicht schon mal im ICE und hat sich über die Verbindungsabbrüche oder das nicht vorhandene WLAN geärgert. Aus unserer Sicht muss man dann Notizen speichern können, wenn einem diese einfallen. Aus unserer Sicht funktioniert dies nur, wenn man auch ohne Internetverbindung Notizen speichern kann und diese dann synchronisiert werden, sobald wieder eine Internetverbindung vorhanden ist.

5. Multiuser-Support

Einige der von uns getesteten Dienste bieten leider nur einen einzigen Benutzer. Dies mag für Selbstständige oder Einzelpersonen kein Problem darstellen, ist für uns jedoch ein klares Ausschlusskriterium, verhindert es doch den Einsatz in der Familie, kleinen Arbeitsgruppen oder einem Unternehmen.

Nachdem nun die Bewertungskriterien definiert sind, wollen wir mit den Test loslegen.


Test der OpenSource Notizdienste

Laverna – Keep your notes private

Obwohl Laverna offiziell noch als Beta beschrieben wird, läuft die hauptsächlich auf Javascript basierende Software zuverlässig und schnell. Mit Laverna kann man Notizen und Todo-Liste bequem per Browser oder Desktop-App zwischen verschiedenen Geräten synchronisieren. Laverna Clients existieren für Windows, Mac und Linux – eine Android-Variante ist in Vorbereitung.

Laverna bietet dabei kein eigenes Backend, sondern verlangt eine Syncronisation der Daten per Dropbox oder RemoteStorage. Positiv zu vermerken ist, dass Laverna eine Client-seitige Verschlüsselung anbietet, so dass die eigenen Daten nicht unverschlüsselt auf einem fremden Server gespeichert werden. Wenn man keine Synchronisation verwendet, kann man Laverna nur auf einem Gerät nutzen bzw. Browser nutzen und muss darauf achten, dass man im Browser nicht den Verlauf löscht.

Wer Laverna ausprobieren will, kann dies ohne Registrierung auf https://laverna.cc tun. Es wird lediglich ein Passwort verlangt und schon kann man los legen. Die eigenen Notizen können jederzeit exportiert werden, um Sie dann später in den eigenen Server zu importieren.

Die Installation von Laverna auf dem eigenen Server gestaltet sich dank Github-Pull denkbar einfach. Konfiguriert wird Laverna über den Browser, sobald der Dienst über eine beliebige Webadresse erreichbar ist.

Fazit von Laverna Beta v0.7.3:

Laverna erfüllt 4 von 5 unserer Kriterien

Laverna ist ein eingängiger und schlichter Notizendienst. Die unkomplizierte erste Demo über laverna.cc ist vorbildlich gelöst und die Erfassung von Notizen und ToDo-Liste mit Hilfe der Formatierungssprache Markdown geht nach kurzer Einarbeitung gut von der Hand.

Das Konzept der externen Synchronisation wirkt im ersten Moment umständlich, macht aber dank client-seitiger Verschlüsselung durchaus Sinn und bindet keine Entwicklungskapazitäten.

Die Installation ist per Pull-Request von GitHub schnell erledigt. Wer Evernote hinter sich lassen will, sollte einen Blick auf Laverna werfen.

Leider kann man Laverna nur als Einzelperson nutzen. Das Teilen von Notizen oder ToDos ist nicht vorgesehen und macht den Dienst somit für Unternehmen, Arbeitsgruppen und Familien uninteressant.

zur Webseite von Laverna


Nemex

Nemex ist ein Projekt der Marketingagentur Neon Elephant GmbH und legt seinen Schwerpunkt auf die schnelle Erzeugung von Ideen und Projekten. Nemex ist in PHP geschrieben und muss einfach nur auf einem beliebigen Webspace entpackt werden.

Nemex legt alle Notizen als Markdown Dateien in jeweils einem eigenen Unterorder an. Die Konfiguration erfolgt über die Datei config.php, in der man nur einen Benutzernamen und ein Passwort eintragen muss.

Einmal eingeloggt bietet Nemex nicht viele Möglichkeiten. Projekte können angelegt und wieder gelöscht werden. Die Projekte selbst sind in Form einer Timeline aufgebaut. So kann man Bilder per Drag-And-Drop in die Timeline ziehen oder beliebigen Text per Markdown Syntax erfassen. Nemex sieht dabei sowohl auf Desktop-Rechnern als auch auf mobilen Geräten schick aus, wobei man bei umfangreichen Texten schnell die Übersicht verliert.

Jedes Projekt kann als ZIP-Datei heruntergeladen oder per Link geteilt werden.

Fazit zu Nemex 1.0:

Nemex erfüllt 3 von 5 unserer Kriterien

Nemex ist noch einfacher als Laverna und einfach schick anzusehen. Die Installation gelingt in wenigen Minuten und nach der Definition von Benutzername und Passwort kann man sofort loslegen. Sämtliche Daten liegen als Markdown Dateien vor, so dass man diese jederzeit per ZIP-Datei auf einen anderen Rechner oder Server umziehen kann.

Wenn man Projekte oder Ideen in einer Art Timeline erarbeiten will und man gerne Grafiken einbindet, kann Nemex eine richtig coole Lösung sein.

Aufgrund des fehlenden Benutzerkonzeptes und der zwingenden Internetverbindung erfüllt Nemex jedoch nur 3 von 5 unserer Kriterien und ist somit auch leider kein vollständiger OpenSource-Ersatz für Evernote.

zur Webseite von Nemex


SimpleNote – the simplest way to keep notes

Als ich Simplenote das erste Mal sah, musste ich direkt an iA Writer denken. Eine schlichte, aufgeräumte aber dennoch schicke Weboberfläche erlaubt es schnell und unkompliziert seine Notizen und Gedanken festzuhalten.

Simplenote wird von der für WordPress.com bekannten Firma Automattic entwickelt und angeboten. Obwohl die Clients von Simplenote einer OpenSource Lizenz unterliegen und auf Github veröffentlich sind, ist Simplenote selbst kein OpenSource. Die Nutzer müssen sich einen Simplenote-Account anlegen und sämtliche Informationen werden auf den Servern von Automattic gespeichert. In einem Blogbeitrag vom 12.August 2016 heißt es zwar, dass Simplenote auch irgendwann für Self-Hosting zur Verfügung stehen würde, es aktuell dafür jedoch keine Zeitplanung gibt.

Nach dem Login auf simplenote.com kann man direkt mit dem Schreiben loslegen. Neben der relativ neuen Markdown Unterstützung werden auch Tags für die bessere Kategorisierung und eine Historie jeder Notiz angeboten.

Ein weiterer Vorteil von Simplenote ist die Option, Notizen mit anderen Nutzern zu teilen und per Link öffentlich freizugeben.

Fazit zu Simplenote:

Simplenote erfüllt 3 von 5 unserer Kriterien

Wer sich nicht daran stört, dass die eigenen Notizen auf den Servern von Simplenote liegen, wird diesen Dienst schnell lieben lernen. Für uns bedeutet das fehlende Self-Hosting und die nicht vollständige OpenSource Politik jeweils Punktabzug. Aufgrund des fehlenden Self-Hostings kommt der Einsatz auf dem ionas-Server nicht in Frage.

Auf der anderen Seite ist Simplenote in den anderen Kategorien absoluter Spitzenreiter. Es existieren Clients für alle Desktop sowie die wichtigsten mobilen Betriebssysteme. Sogar für den Kindle Fire gibt es eine entsprechende App.

Die Bearbeitung der eigenen Notizen ist schnell, intuitiv und eingängig. Leider bietet Simplenote keinen vollständigen Offline-Support an. Während die mobilen Clients ohne Internetverbindung auskommen, benötigen die Desktop-Clients zwingend eine Internetverbindung. Wir geben trotzdem keinen Punktabzug. Eine Bewertung 2 von 5 Kategorien würde Simplenote bei weitem nicht gerecht werden.

zur Webseite von simplenote.com

TagSpaces – Your Hackable File Organizer

TagSpaces bezeichnet sich selbst als „data manager“ und existiert in drei verschiedenen Varianten. Neben dem quelloffenen TagSpaces gibt es noch die kostenpflichtigen Versionen TagSpaces Pro und TagSpaces Pro Unlimited mit zusätzlichen Funktionen und Updates.

Wir betrachten an dieser Stelle nur die OpenSource Variante TagSpaces, welche sich aufgrund seines Ansatzes deutlich gegenüber dem Testumfeld abhebt. TagSpaces will nicht einfach nur Notizen und ToDo-Liste verwalten sondern zum allumfänglichen Datei- und Datenmanager des Nutzers werden.

TagSpaces gruppiert Dateien, Bilder, Videos, Ordner, Markdown Dateien und viele andere Formate in „Orten“. In diesen Orten wiederum kann man jeder Datei beliebig viele Tags zuweisen. Diese Tags dienen primär der Kategorisierung der Dateien und zur besseren Wiederauffindbarkeit.

TagSpaces benötigt keine Datenbank, da die Tags dem Dateinamen hinzufügt werden. So wird aus „bild.png“ die Datei „bild[fotos screenshot].png“ und kennzeichnet damit die Tags „fotos“ und „sceenshot“.

Ein weitere Besonderheit von TagSpaces ist die fehlende Synchronisationsmöglichkeit. Hier geht TagSpaces einfach davon aus, dass der Anwender eine beliebige Synchronisationsmöglichkeit wie Dropbox, ownCloud oder Seafile verwendet. Da nur Dateien und Ordner synchronisiert werden, sollte TagSpaces mit jeder Synchronisationslösung funktionieren.

Fazit zu TagSpaces 2.6:

TagSpaces erfüllt 5 von 5 unserer Kriterien

TagSpaces ist ein großartiges Tool und erfüllt direkt und indirekt alle unsere Anforderungen an OpenSource, Self-hosted, plattformübergreifende Nutzung, Offline-Support und Multiuser-Support.

Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass TagSpaces nicht jedermanns Sache ist. Ein einwöchiger Test unter unseren Kollegen führte dazu, dass am Ende alle wieder in alte Arbeitsweisen zurückgefallen sind und sich nicht vollständig auf TagSpaces eingelassen haben. Aber jeder Mensch arbeitet anders und vielleicht kommen Sie mit TagSpaces wunderbar klar. Eine Synchronisationsmöglichkeit für TagSpaces bietet jeder ionas-Server bereits mit Seafile.

zur Webseite von TagSpaces

OpenNote – die webbasierte Alternative zu Microsoft OneNote und Evernote

OpenNote ist eine PHP5 und SQL-basierte Webnotizlösung von J. Liscom. Die Lösung ist beschränkt auf einen User und kann nur über die Weboberfläche verwendet werden. Client-Apps sind aktuell nicht in Planung.

Der Dienst funktioniert zwar zuverlässig, jedoch merkt man dem Dienst an, dass es sich hierbei um ein Projekt eines engagierten Einzelkämpfers handelt.

Fazit zu OpenNote:

OpenNote erfüllt 2 von 5 unserer Kriterien

Ehrlich gesagt fällt es uns schwer, eine mögliche Zielgruppe für OpenNote zu definieren. Die Dokumentation des Projektes ist dürftig, der Funktionsumfang gering, das Design wirkt altbacken und auch die Usability lässt zu wünschen übrig.

Positiv ist, dass man sich dank der Online-Demo direkt selbst ein Bild von der Lösung machen kann. Ein weiterer Pluspunkt ist die Konstanz, mit der der Erfinder Anpassungen bei GitHub veröffentlicht.

zur Webseite von OpenNote


Gruik – a free & open-source note-taking service

Mit einem großen Warnhinweis auf der Startseite weißt der Entwickler von Gruik darauf hin, dass Gruik noch eine Betaversion ist und für die Integrität der Nutzerdaten keine Garantie übernommen werden kann. Doch trotz dieses abschreckenden ersten Eindrucks wollen wir Ihnen Gruik nicht vorenthalten, da es bei unseren Tests zuverlässig funktionierte und spannende Ansätze mit sich bringt.

Gruik merkt man deutlich die Nähe zu den Versionskontrollssystemen GitHub und GitLab an.
Notizen können entweder als „public“ oder als „private“ markiert werden, was die Sichtbarkeit der Notizen für die anderen Benutzer von Gruik regelt. Sichtbare Notizen können von anderen Nutzern kommentiert werden, während private nur für den Besitzer sichtbar sind.

Gruik kann man sowohl über die Webseite gruik.io verwenden oder auch auf dem eigenen Webspace installieren. Gruik verwendet dabei PHP 5.5, das Laravel Framework und AngularJS. Die Installation erfolgt bequem per Composer, wobei jede Datenbank verwendet werden kann, die vom Laravel Framework unterstützt wird.

Aktuell unterstützt Gruik bereits Markdown. Weitere Fähigkeiten wie „Tags, Fork und File Upload“ sind zwar angekündigt aber es bleibt abzuwarten, ob die Entwickler von Gruik den eigenen Ansprüchen in den nächsten Monaten gerecht werden können. Wir werden Gruik auf jeden Fall weiter beobachten.

Fazit zu Gruik:

Gruik erfüllt 3 von 5 unserer Kriterien.

Gruik steckt noch in den Kinderschuhen, funktioniert jedoch in unseren Tests bereits einwandfrei. Der Funktionsumfang ist aktuell noch gering. Der Dienst wurde jedoch bei unseren Tests als sehr performant und durchaus ansprechend wahrgenommen.

Wer keinen umfangreichen Notizendienst, sondern eine rudimentäre Dokumentations- und Kommentarfunktion benötigt, könnte sich Gruik durchaus näher anschauen.

zur Webseite von Gruik


Keine Alternative zu Evernote unter den aktuellen OpenSource Notizdiensten

Trotz unserer umfangreichen Recherchen konnten wir aktuell keinen Dienst ermitteln, der kurzfristig das Potenzial hat, als OpenSource Alternative den Notizdienst Evernote vom Thron zu stossen. Zwar hat jeder Dienst seine Stärken und kann für den einen oder anderen Einsatzzweck geeignet sein, vollumfänglich überzeugen konnte jedoch kein Dienst.

Nur ein Dienst hat alle unsere fünf Kriterien erfüllt. Andererseits konnte selbst TagSpaces, der Notizdienst mit voller Punktzahl, unsere Mitarbeiter nicht begeistern. Zu weit weg vom praktischen Einsatz und zu wissenschaftlich mutet dessen Ansatz an – seinem umfassenden Funktionsumfang und Datenmanagementanspruch zum Trotz.

Die OpenSource Welt ist und bleibt spannend. Eine einfacher Notizdienst lässt jedoch weiter auf sich warten.


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Kommentar


Fantastische Übersicht über die aktuellen OpenSource Lösungen. Besonders die Screenshots gefallen mir gut, da Sie einen guten ersten Eindruck der Lösungen vermitteln.

[…] dem früheren Artikel OpenSource Notizdienste im Vergleich zu Evernote haben wir bereits sechs OpenSource Lösungen auf Ihre Businesstauglichkeit und als eine mögliche […]


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