ionas-Server als Protonet Alternative?

geschrieben am 22.02.2017

Das Hamburger Startup Protonet, bekannt durch seine markanten, orange-farbenen private Cloud Server, musste Anfang Februar Insolvenz anmelden. Privatpersonen und Unternehmen, denen das Thema Datenhoheit aus freien Stücken oder gesetztlichen Gründen wichtig ist, haben nun eine attraktive Lösung weniger, unabhängig von den großen Cloud-Anbietern Ihre eigene Cloud zu betreiben. Eine weiterhin verfügbare private Cloud Lösung sind die ionas-Server. Funktional weisen die ionas-Server und die Protonet Geräte einige Parallelen auf, aufgrund ihrer unterschiedlichen Entwicklungsansätze gibt es aber auch einige Unterschiede. Dieser Beitrag vergleicht die Funktionen der Protonet Server mit dem ionas-Server Small Business und zeigt auf, in welchen Situationen die ionas-Geräte eine Protonet Alternative sein können.

Protonet: Collaboration bei 100% Datenhoheit

ionas-Server als Protonet Alternative?

Protonet hat in den letzten Jahren das Thema Datenhoheit wie kaum ein anderes besetzt. Das junge Unternehmen aus Hamburg wandte sich gegen die Konsolidierung des Internets in immer weniger Händen und propagierte die Verantwortungsübernahme für die eigenen Daten. Mehr noch, mit den Protonet Servern lieferte das Hamburger Team auch gleichzeitig die dafür passende Lösung. Mit seinen „einfachsten Servern der Welt“ konnten auch wenig technikversierte Nutzer – mehr oder weniger per Knopfdruck – ihre eigene Cloud, eine private Cloud, schaffen. Mit den Protonet Servern konnte man Daten im Team und mit anderen teilen, so als ob sie in der Cloud liegen, ohne dass sie auf einem fremden Rechner gespeichert sind.

Die Stärke der Protonet Server war die Unterstützung der Zusammenarbeit in Teams. Mit Protonet Soul, dem „Betriebssystem“ der Protonet Server, ließen sich Informationen bequem mit anderen teilen, Aufgaben verwalten und Kommunikationsstränge zusammenhalten. Alle Daten wurden auf dem eigenen Server gespeichert und waren auch unterwegs einfach per mobile App abrufbar. Die gut strukturierte und einheitliche Benutzeroberfläche senkte die Einführungshürden und sorgte für hohe Akzeptanz auf Nutzerseite. Protonet Soul war also eine leistungsfähige Collaboration Lösung für Arbeitsgruppen und kleine Unternehmen ohne IT Administrator.

Von 2016 an begann Protonet, den Funktionsumfang ihrer Server mit Add-ons über ihre originäre Projektmanagement-Aufgabe zu erweitern. Zur Verfügung standen das CRM-System der deutschen Softwareschmiede Wice und das Weclapp-ERP-System für noch mehr IT-Prozessunterstützung. Mit einem Backup-System lassen sich die lokal gespeicherten Daten extern sichern, um bei Schadensereignissen, die über den Defekt einer Festplatte hinaus gingen, gewappnet zu sein.

ionas-Server Small Business: All-in-one Server für kleine Unternehmen mit 100% Datenhoheit

ionas-Server Small Business

Die Vermarktung des ionas-Server Small Business begann im Sommer 2015, also knapp zwei Jahre nach der Markteinführung der beiden großen Protonet Server Carla und Carlita. Sein Konzept ähnelt Protonet auf den ersten Blick: private Cloud auf Linux Basis, Collaboration Plattform, Arbeitsgruppen und kleine Unternehmen als Zielgruppe. Auch bei den Funktionen gibt es offensichtliche Ähnlichkeiten. Der ionas-Server bietet File Sharing, Projektmanagement, Aufgabenplanung, CRM und externen Zugriff.

Auf den zweiten Blick werden die Unterschiede deutlich: Mit der Termin- und Kontaktsynchronisation sowie Gruppenkalendern und Adressbüchern bietet der ionas-Server Funktionen, die vielen Gruppen die Abstimmung erleichtert. Die Telefonanlage an Bord bietet auch standardmäßig eine Integration mit dem CRM-System. Anrufe können direkt aus dem CRM getätigt und im CRM angenommen werden. Nach Wunsch kann das System auch mit einem Versionsverwaltungstool, virtuellen Maschinen und einem Content Management System ausgestattet werden.

Die entscheidenden Unterschiede zwischen Protonet und ionas-Server liegen aber weniger bei den grundsätzlichen Funktionen als bei der Art ihrer Umsetzung sowie beim Supportangebot.

Das Beste aus Open Source

Während Protonet auf proprietäre Software setzte, setzen die ionas-Server konsequent auf Open Source Software. So liegt der Quellcode von Protonet Soul ebenso wie der verfügbaren Add-ons liegt nicht offen. Beim ionas-Server sind so gut wie alle Dienste Open Source. Das Softwarepaket des ionas-Servers ist somit eine Zusammenstellung einer handverlesenen Auswahl und miteinander integrierter Open Source Lösungen. Für den Dateiaustausch verwenden die ionas-Server Seafile, für das Projektemanagement vertraut der Server dem Berliner Startup OpenProject, für die Termin- und Kontaktsynchronisation hat das Gerät das sabreDAV Framework von Fruux aus Münster an Bord und für das Thema Backup den Dienst Duplicity. Den remote Zugriff auf den Server ermöglicht OpenVPN, eine bekannte Open Source Implementierung zum Aufbau virtueller privater Netzwerke. Jeder einzelne Dienst hat sich bei Unternehmen und Organisationen jeder Größenordnung bewährt und bietet eine überragende Leistungsfähigkeit. Seafile zum Beispiel kommt als File Hosting Lösung bei Instituten der Max Planck Gesellschaft, zahlreichen deutschen Hochschulen und dem Wuppertal Institut zum Einsatz.

Der große Vorteil dieses integrativen Ansatzes: Diese Dienste bieten unglaublich viel Leistung für wenig Geld – sie sind frei verfügbar! Und nicht nur das: Die Entwicklung der Applikationen wird von den dahinterstehenden Unternehmen und Communities so schnell vorangetrieben, wie das in-house für ionas nie abbildbar wäre. Mit jedem Releasewechsel der Open Source Software macht auch der ionas-Server einen Funktionssprung. Als Open Source Software sind die Lösungen auch völlig unabhängig vom Schicksal der Firma ionas. ionas bietet natürlich Support für sämtliche Dienste des Servers, jeder mit dem notwendigen Wissen kann seine Server aber auch selbst administrieren oder von einer externen Partei managen lassen.

Die Verwendung von Open Source Software statt Eigenentwicklung hat natürlich auch Preisimplikationen: Das Modell S des ionas-Server Small Business kostet bei vergleichbarer Hardwareausstattung knapp halbsoviel wie Carlita: €1.500 netto vs. €2.999 netto. Die €1.500 des ionas-Servers enthalten zudem den Einrichtungssupport per Fernwartung. Bei Carlita muss man auf den Basissystempreis noch die Extrakosten für CRM, ERP und Backup-Funktion drauf rechnen, wenn man diese nutzen will. Dies ist beim ionas-Server bereits inklusive. Zugegebenermaßen sind die Protonet Gehäuse besondere Blickfänger und rechtfertigen als Designerstück einen höheren Preis. Die ionas-Server Gehäuse haben Ihre Stärke in der Vielseitigkeit. Die vier Festplattenschächte des Mini-Towers machen den Festplattenaustausch/-erweiterungen zum Kinderspiel. Sollte eine Rack-Einheit gefragt sein, dann kann ionas eine solche in unterschiedlichsten Konfigurationen von seinem Hardwarepartner der Wortmann AG besorgen.

Der integrative Ansatz von ionas bei der Softwarezusammenstellung hat Vorteile gegenüber der Eigenentwicklung, aber ein Nachteil kann nicht verschwiegen werden: Die unterschiedliche Herkunft der verwendeten Open Source Software steht einem einheitlichen Design der Interfaces entgegen. Seafile sieht anders aus OpenProject sieht anders aus als Odoo. Hier wurde der Funktionalität und Unabhängigkeit der Vorzug vor elegantem Design gegeben.

Rundum Service: Einrichtung, Fernwartung und Co.

Der zweite essentielle Unterschied zwischen Protonet und ionas-Server ist das Beratungspaket. Die ionas-Server werden in einer Vor-Ort-Sitzung oder per Fernwartung durch den Hersteller beim Kunden eingerichtet. So kann der ionas-Server in eine bestehende Infrastruktur integriert werden. Ein Dasein als Inselsystem wird so vermieden. Soll der ionas-Server bestehende Systeme ablösen, dann übernimmt ionas auch die Migration von Bestandssystemen auf das neue System. Das ganze dazugehörige Projektmanagement übernimmt ionas auf Wunsch ebenfalls.

Support für das System gibt es an 7 Tagen die Woche per telefonischer Hotline. Systemwartungen übernimmt die Firma auch. Gerade Unternehmen, für die sich ein eigener IT-Administrator nicht lohnt, ist das Supportangebot von ionas sehr attraktiv. Neben dem Admin-Support bietet ionas auch technischen Support für die Nutzer an.

Bei Protonet erfolgt die Einrichtung automatisch beim erstmaligen Einschalten. Eine individuelle Einrichtung ist nicht angedacht. Support erhalten die Nutzer per Supportforum.

Protonet Alternative nicht für alle, aber viele

Protonet hat durch seine einfache Bedienung viele Sympathien für sich gewonnen. Mit seinem Collaboration-Ansatz kann es die Arbeit in Agenturen, bei Fotografen, in Beratungsunternehmen und anderen dienstleistungsorientieten Branchen vereinfachen. Dem Einsatz stehen aufgrund der Plug-and-Play Installation keine Hürden im Weg. Die Eigenentwicklung aus einem Guss hat aber ihren Preis. Den eingeschränkten Funktionsumfang von Protonet Soul hat man durch die Integration von Add-ons entgegengewirkt. Schade ist, dass Protonet Soul dadurch sein größtes Asset verlor: Seine homogene und intuitive Benutzeroberfläche.

Der ionas-Server Small Business punktet durch seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und den „eingebauten“ Support. Die typischen Anforderungen einer Arbeitsgruppen und eines kleinen Unternehmens an einen KMU-Server deckt er aus dem Stand ab: File Sharing, Termin- und Kontaktsync, Projektmanagement, VPN, Backup,… Dabei spielt es keine Rolle, ob er sich in einem reinen Windows- bzw. Mac oder in einem heterogenen Netzwerk bewegt. Mit Odoo bietet der ionas-Server ein weltklasse CRM-System, dass sich mit wenigen Klicks um Rechnungs-, Warenwirtschafts-und eCommerce-Funktionen (neben anderen) erweitern lässt. Das ganze zum Preis, der die Open Source Herkunft der Server-Software wiederspiegelt.


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